Ein breiter Feldweg führt durch herbstliche Felder auf eine nebelverhangene Hügelkette zu. In der Ferne gehen drei Menschen mit Rucksäcken.

Ich pilgere

Ein Pilgerweg beginnt mit einer Sehnsucht.

Ein Weg beginnt mit einem Schritt.

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,

die sich über die Dinge ziehn.

Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.

Rainer Maria Rilke, Das Stunden-Buch, 1905

Unterwegs

Jeder Schritt verändert den Blick.

Diese Sehnsucht führt hinaus unter den weiten Himmel, auf schmale Pfade, durch Wälder und über Felder. Zugleich führt sie nach innen – dorthin, wo Gedanken und Erinnerungen wohnen, Hoffnungen wachsen und Fragen ihre Zeit bekommen.

Die Landschaft öffnet sich. Das Licht fällt anders auf die Dinge. Der Wind trägt den Duft der Jahreszeiten. Aus der Stille steigen Worte auf, die im Alltag verborgen geblieben sind. Der Weg wird zu einem Gesprächspartner.

Zwei Wanderschuhe im Schritt auf feuchtem Waldboden zwischen Herbstlaub und frischem Grün.
Der erste Schritt ist meistens klein.

Ich

Wer pilgert, entdeckt das eigene Leben neu.

Darum steht auf diesen Seiten ein kleines Wort im Mittelpunkt: Ich.

Dieses Ich sucht keinen Applaus. Es braucht keine Bühne. Es widerspricht der Egomanie unserer Zeit. Denn es spricht mit seiner eigenen Stimme. Es findet Worte für Freude und Trauer, für Dankbarkeit und Sehnsucht, für Zweifel und Vertrauen.

Die Videoimpulse laden ein, einem Gedanken zu folgen und ihn in einem Ich-Satz festzuhalten.

Ich.

  • Ich entdecke …
  • Ich wünsche …
  • Ich hoffe …
  • Ich lasse los …
  • Ich freue mich …
Eine große Spirale aus hellen Steinen ist in eine karge Wiese gelegt. In der Mitte liegt ein Kreis aus kleineren Steinen.
Jeder Stein einer für sich. Zusammen ein Weg.

Gedankenschritte

Solche Sätze gleichen kleinen Steinen am Weg.

Sie markieren Gedankenschritte. Sie bewahren Erfahrungen. Wer sie ausspricht oder aufschreibt, schenkt dem eigenen Leben Aufmerksamkeit.

Bibel und Literatur

Die Bibel kennt solche Wege.

  1. Abraham zieht seiner Verheißung entgegen.
  2. Jakob ringt in der Nacht mit dem Engel.
  3. Ruth geht aus Treue.
  4. Elia findet Gott im sanften, verschwebenden Schweigen.
  5. Die Emmausjünger erkennen Christus in der Tischgemeinschaft.

Immer wächst Vertrauen Schritt für Schritt.

Auch Dichter und Denker begleiten diesen Weg. Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, ein Gedanke Hannah Arendts oder ein Aphorismus aus Philosophie oder Psychologie öffnen neue Horizonte. Sie treten mit einem biblischen Wort in einen stillen Dialog. Daraus entsteht Raum für eigene Entdeckungen.

Ein verwitterter Wegstein mit blau-gelber Muschel steht am Rand eines Feldwegs. Auf seiner Oberkante liegen Steine. Im Nebel dahinter gehen zwei Menschen.
Wegzeichen am Camino Francés. Anderswo, aber derselbe Gedanke: Wege werden markiert, damit andere sie finden.

Zeit

Pilgern schenkt Zeit.

Zeit für den eigenen Atem.

Zeit für Begegnungen.

Zeit für den Himmel über uns und die Erde unter unseren Füßen.

Zeit für das Leben, das in uns Gestalt gewinnen möchte.

Die Impulse auf diesen Seiten möchten Deinen Weg begleiten. Sie erzählen von den großen Lebensthemen: von Liebe und Angst, Hoffnung und Abschied, Schöpfung und Verantwortung, Gott und Mensch. Jedes Video versteht sich als Einladung, den eigenen Gedanken weiterzugehen.

Am Ende

Ein Satz, der mit Ich beginnt.

  • Am Ende bleibt oft ein einziger Satz.
  • Ein Satz, der trägt.
  • Ein Satz, der nachklingt.
  • Ein Satz, der mit Ich beginnt.

Denn jeder Pilgerweg wird erst dann zu Deinem Weg, wenn Du ihn mit Deiner eigenen Stimme erzählst.

Diesen Weg geht auch Rilke in seinem Gedicht weiter:

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,

und ich kreise jahrtausendelang;

und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm

oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke, Das Stunden-Buch, 1905 — zweite Strophe desselben Gedichts

Bei Rilke ist dieses Ich der Ort, an dem die Begegnung mit dem Größeren geschieht. Mögest Du auf Deinem Weg solche Begegnung finden.

Satzanfang

Ich pilgere und ...

Ein offener Satz für Notizbuch, Handy oder einfach den Kopf. Er wird nicht gespeichert.

Drei Schritte

Ein sehr kurzer Wegweiser

  1. Stehen bleiben

    Scanne den QR-Code oder wähle ein Thema auf der Website.

  2. Verweilen

    Lies, höre oder sieh nur so viel, wie gerade gut ist.

  3. Weitergehen

    Nimm eine Frage mit. Der Rest darf unterwegs passieren.

Zu den Impulsen
Porträt von Dirk Heckmann mit breitkrempigem Lederhut vor einer bewachsenen Bruchsteinmauer.

Wer hier schreibt

Dirk Heckmann

Die Impulse für Himmel und Erde schreibt Dirk Heckmann. Die Wege, von denen hier die Rede ist, ist er selbst gegangen.

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